Die Familie Gund(e)lach auf der Glashütte Emde (1)


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• Johann Henrich Gund(e)lach stammt aus einer Familie mit langer Glasmachertradition, doch gibt es Ungereimtheiten über die Familie. Verschiedene Untersuchungen, u. a. durch Franz Adrian Dreier und G. Almeling haben versucht das Rätsel dieser Famile zu lösen. Das Kirchenbuch Holzhausen / Wilhelmshausen, der Pfarrei zuständig für die Glashütte Altmünden in Hessen, gibt zwar Geburtsdatum und –ort mit 3. August 1664 zu Oranienbaum im „fürstlich Dessauischen“ [Sachsen-Anhalt] an, doch handelt es sich hier um einen augenscheinlichen Nachtrag zum Heiratseintrag, der nach seinem Tode, mit falschem Todesdatum, nämlich dem seines Patensohnes, eingefügt wurde.  Dieser Nachtrag kann nicht korrekt sein.

1664 hieß Oranienbaum noch Nischwitz. Die Glashütte Nischwitz / Oranienbaum wurde erst 1669 gegründet und erst zu dieser Zeit kam die Familie Gundlach nach Sachsen-Anhalt. Der Ort wurde erst 1673 zu Ehren der Fürstin Henriette Katharina von Nassau-Oranien, Ehefrau des anhaltinischen Fürsten Johann Georg II, umbenannt. Das Kirchenbuch Nischwitz enthält keinen Eintrag zu einem Johann Henrich Gundlach. Es gibt jedoch einen Eintrag im Kirchenbuch Wörlitz. Hierin wird dem Francisco Gundelachen von der Glashütte am 23. Mai 1673 ein Sohn namens Johannes Henricus geboren, wie schon von Franz Adrian Dreier 1996 erwähnt , der am 27. Mai getauft wurde. Sein Pate war Fürst Johann Georg II von Anhalt, an dessen Stelle Karl Heinrich von Wilcknitz  bei der Taufe anwesend war. Dieser Johann Henrich war ein (Halb-?) Bruder des berühmten kasseler Glasschneiders Franz Gundelach / Gondelach und Pate dessen Sohnes, auch mit Namen Johann Henrich, der 1698 in Kassel geboren wurde. In der Literatur werden beide Johann Henrich durch I = der Ältere und II = der Jüngere unterschieden.
Am 8. November 1694 heiratete Johann Henrich in der Kirche von Wilhelmshausen Anna Christina Gundelach, geb ca. 1676 (err.). Sie war eine Tochter des Eberhard Gundelach, Glashüttenmeister zu Oranienbaum im fürstl. Dessauischen, so zumindest der Eintrag zu ihrem Tode im Kirchenbuch Holzhausen / Wilhelmshausen . Wahrscheinlicher ist, daß sie eine Tochter eines Engelhard Gundlach war, der auf einer Glashütte in Lüttich arbeitete, zumindest kann in Wörlitz und Oranienbaum keine Geburt nachgewiesen werden, von der er dann auf die Altmünder Hütte kam und dort mindestens 20 Jahre als Kristallmeister von 1682 bis 1703 tätig war.  Die Ehe von Johann Henrich (I) und Anna Christina blieb kinderlos.    

Es ist unklar, woher die Verweise auf Oranienbaum im Kirchenbuch von Holzhausen / Wilhelmshausen stammen. Alle damit verbundenen Informationen sind unstimmig und lassen sich nicht verifizieren. Im KB Wörlitz gibt es nur eine einzige Eintragung bezüglich der Glashütte, eben die des Johann Henrich. Im KB Nischwitz / Oranienbaum gibt es Eintragungen zur Geburt von drei Kindern des Franz Gundlach. Zwei Mädchen, 1772 und 1778, bei der Geburt des zweiten stirbt Franz’ Frau im März 1678, deren Name aber nicht genannt wird und ein Junge, geboren von der neuen Ehefrau, Heirat Juli 1678, mit Namen Magdalena Spormann. Der Name Schuchard, wie in Wilhelmshausen als Mutter genannt, erscheint in diesen Büchern nicht.

Tatsache ist, daß Johann Henrich Gundelach zusammen mit Christoph Eberhard / Ebert Hüttenbeständer der Altmünder Glashütte auf 6 Jahre, von 1717 – 1723 war. Als der alte Hofglasschneider Franz Gundelach / Gondelach aus Kassel für den 1. Mai 1723 die Erneuerung des Pachtvertrages der Altmünder Hütte zugesprochen bekommt, ist im Vertrag eine Klausel enthalten, die ausdrücklich verlangt, daß sein Bruder Johann Henrich(I), der bisherige Konductor, keinen Teil an der Pacht haben soll und die Hütte verlassen muß.  Dieser Johann Henrich(I) war auch ein erfahrener Glasschneider, der wohl nicht die Qualität des Franz erreicht hatte, doch immerhin von ihm als Konkurrent empfunden wurde, weshalb er von der Altmünder Hütte fern gehalten werden sollte. Vielleicht spielten auch andere familiäre Gründe eine Rolle. Die Beweggründe des Franz Gondelachs, sich um die Hüttenpacht zu bemühen, waren neben der Sicherung des eigenen Altersauskommens, wohl auch der Versuch, die Zukunft seines Sohnes, der ebenfalls, nach seinem Patenonkel, Johann Henrich(II) hieß und bislang Hofglasschneider zu Kassel war, zu sichern. Hierbei störte der Bruder und vorherige Beständer wohl. Dessen Mitbeständer Eberhard mußte Franz jedoch nach langen Verhandlungen am 25. November 1725 als Teilhaber eines Drittels der Hütte akzeptieren. Er selbst stirbt ein halbes Jahr später im Mai 1726. Obwohl keine Unterlagen darüber existieren, versuchte vielleicht auch Johann Henrich(I) seinen Bruder umzustimmen, um auf der Altmünder Hütte bleiben zu können. Solche Versuche, falls stattgefunden, sind jedoch fruchtlos geblieben, könnten aber eine Erklärung sein, warum es erst Ende 1727, 3 ½ Jahre nach seinem offiziellen Rauswurf aus Altmünde, zu einem Kontraktabschluß mit dem paderborner Fürstbischof über eine Neuanlage einer feinen Glashütte bei Brakel kommt.

Johann Henrich(I) betreibt die Emder Hütte 10 Jahre lang und scheidet dann 1737 im Streit mit seinem Nachfolger – Carl Ihmsen – aus dieser Hütte aus. Statt, wie gelegentlich in der Literatur zu lesen, in den Spessart gegangen zu sein, ist es wahrscheinlicher, daß er auf die Altmünder Hütte zurückkehrte. Zumindest ist er dort am 06.12.1750 gestorben, aber nicht, wie im Kirchenbuch verzeichnet, im Alter von 86 Jahren und 4 Monaten, sondern 76 Jahren und 6 Monaten. Er war noch ½ Jahr Hüttenmeister nach dem Tode seines Patensohnes, der im Februar desselben Jahres gestorben war . Der Tod seiner Frau im Alter von 78 Jahren ist am 09.11.1754 im Kirchenbuch Holzhausen-Wilhelmshausen verzeichnet.

Auf Grund der Unstimmigkeiten im Kirchenbuch Holzhausen / Wilhelmshausen ist es notwendig und wichtig zu gegebener Zeit die Lebensdaten der Familie Franz Gundlach im Kirchenbuch Großalmerode, sowie des Engelhard Gundlach in Lüttich noch einmal genau zu verfolgen.                           

•  Zusammenfassed ist festzustellen, daß Johann Henrich Gundlach(I) über einen langen Zeitraum den Glasschnitt der Altmünder Hütte mit beeinflußte, und sicher auch Carl Ihmsen von ihm gelernt hat. Dieses Wissen wurde über Ihmsens Söhne auf der Emde fortgetragen und über Ihmsens Lehrling Iselhorst auch wieder zur Altmünder Hütte zurückgetragen. Beim Gründer der Emder Hütte Johann Henrich Gundlach(I) anzunehmen statt Johann Henrich (II) sehe ich in der Verbindung Gundlach / Wiegand. Der Sohn des Franz Gundelach kam erst mit seinem Vater aus Kassel und hatte deshalb sehr wahrscheinlich vorher keine Verbindung zu Wiegand. Es ist deshalb wahrscheinlicher für die Emde eine Verbindung des Älteren Gundlach anzunehmen als mit dem Jüngeren, der wohl der Gründer der Glashütte in Obernzell bei Schwarzenfels war. 

Zusammen mit Gundlach kommt Wiegand als Partner ins paderborner Land. Zumindest der letztere ist wenigstens 1 ½ Jahre vor dem offiziellem Beginn der Emder Hütte hier, was durch die Taufe seiner Tochter Anna Amelia am 29. März 1726 in Istrup belegt ist. Johann Henrich wird wohl mit ihm gekommen sein und wahrscheinlich wurde die Emder Hütte vorbereitet. Belegen läßt sich dieses jedoch nicht.




             1.  Die Informationen über die Familie Gund(e)lach wurden von mir auch in "Der Glasfreund, Heft 34, 2010"
                    veröffentlicht. Nach oben

            


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Letzte Änderung: 27. 11.2011 (©Hans Ihmsen)