Eine mutige Ihmsen in New York - Louisa Friederike Ihmsen


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Über bekannte, "große" Personen wird zeitlebens viel berichtet und geschrieben. Das "gemeine" Volk, die "kleinen" Leute hinterlassen jedoch sehr wenig Spuren. Dennoch ist es mir gelungen, nach über 1oo Jahren, einen kleinen Einblick in solch ein Leben zu bekommen.

Louisa Friederike Ihmsen erblickte am 01.April 1822 in dem Dorf Lüchtringen in Westfalen das Licht der Welt. Ihr Vater war Johann Carl Friedrich Ihmsen, ihre Mutter seine 2. Frau Catharina Friederike Stahl-Rüdiger. Gegen Ende der 1840er Jahre entschloß sich Louise Friederika ihr Glück in America zu suchen und sie wanderte nach New York aus.

Es mögen mehrere Gründe gewesen sein, die sie in die Ferne trieben. Ihre Mutter war 1847 verstorben, um die sie sich vielleicht bis dato gekümmert hatte. Jetzt war sie frei. 1846/47 gab es große Mißernten bei Getreide in Hessen, so daß es zu Hungersnöten kam. Auch gab es 1848 revolutionäre Ausbrüche in Hessen gegen die Polizei und Militär  mit großer Härte vorgingen. Diese unsichere Allgemeinlage brachte sie wohl zu dem Entschluß, der Heimat den Rücken zu kehren. Vielleicht hatte sie auch von ihrem Stiefbruder Heinrich über dessen Auswanderungspläne gehört. Warum sie nicht mit ihm auswanderte ist unbekannt, ebenso, ob New York wirklich ihr ursprüngliches Ziel war. Es ist auch unbekannt, ob sie Informationen über ihre Verwandten in Pittsburgh hatte, denen es zu dieser Zeit wirtschaftlich sehr gut ging.

Eine Schiffsliste mit ihrem Namen konnte (noch?) nicht gefunden werden. Es ist jedoch nachgewiesen, daß sie 1850 in New York war und dort am 31.August einen Johann Glattner heiratete, der 1820 in Reichenstein in Schlesien geboren wurde. Aus der Heiratsurkunde geht hervor, daß er Junggeselle und von Beruf Maler war. Friederike Louise kam aus Marburg. Beide wohnten wohl in der 13 Bayard St. in der Lower East Side von Manhattan, heute Chinatown. Weitere Informationen konnten über Glattner nicht gefunden werden.

Wahrscheinlich starb Johann Glattner schon kurz nach der Heirat. Frederike hat wahrscheinlich schon 2 Jahre später wieder geheiratet, obwohl ein Hochzeitsdatum bis jetzt nicht gefunden werden konnte. Sie gebar jedenfalls im Oktober 1853 einen Sohn namens William, dessen Vater Michael Joseph Harth war. Er stammte aus Zimmern in Bayern und war am 31. März 1822 geboren. Wann er nach Amerika kam ist unbekannt. Jedenfalls bemühte Friederike sich 1856 um die Einbürgerung in die USA, wo sie am 13. Mai unter ihrem Geburtsnamen Ihmsen ihre Absichtserklärung im Court of Common Pleas abgab. Als Zeugen gab sie Joseph Harth an. Beide wohnten jetzt in 21 Clinton Street, Lower East Side. 2 Jahre später, am 14.Juni 1858 erhielt sie ihre Einbürgerungsurkunde. Am gleichen Tag erhielt auch Joseph Harth seine Urkunde, für den Friederike gebürgt hatte, auch unter ihrem Mädchennamen. Komischerweise erscheint auf Ihrer, wie auch auf seiner Karteikarte zur Einbürgerung ihr Name in der männlichen Form - Frederick.

Aus der Verbindung mit Joseph sind mindestens 4 weitere Kinder hervorgegangen, wie aus der Mormonendatenbank bei www.familysearch.org ersichtlich. August wurde 1857, Johann Robert am 22. Sep. 1859 geboren. Die Taufpaten hier waren Johann und Maria Schneider aus der Rivingtonstreet 219. Die Familie lebte zu der Zeit in der Norfolkstreet 5, Manhattan. Anna M. wurde am 14. Aug. 1861 geboren, jetzt in Clinto Street 67,  und Lena Harth im Jahr 1864. Außer William und Lena konnten die Kinder in späteren Volkszählungslisten nicht gefunden werden, vielleicht starben sie im Kindesalter. Hierzu sind jedoch weitere Forschungen notwendig.

Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Hebamme, wohnhaft 1859 in 38 Clinton St. als Glattner, Frederika wie aus dem Einwohnerverzeichnis ersichtlich. Ihr Name taucht auch auf einer Liste Liste für Krankenschwestern in New York auf. In der Volkszählung vom 3. Juli 1860 für die 1. Division, 10th Ward, New York City ist aufgeführt: Joseph Hart, 38 Jahre alt, Gemüse- und Kolonialwarenhändler (Grocer), Vermögen von $ 200, Frederika, 38 Jahre und William, 6 Jahre. Aus finazieller Sicht muß es ihnen besser gegangen sein, als vielen anderen Leuten in ihrer Umgebung.

Am 29.04.1869 berichtet die Zeitung "New York Herald" von einer Verhandlung vor Richter Beford und Schreiber Hackett vom Court of General Sessions. Ein gewisser Charles Surratt erklärte sich schuldig, der Frederika Glattner $40,00 aus ihrer Geldbörse gestohlen zu haben. Er wurde zu 18 Monaten Haft im Staatsgefängnis verurteilt.

Ob Joseph Harth starb, oder beide sich trennten ist unklar. Es ist zumindest der Name Joseph Harth auch nach 1870 in New York noch auffindbar, wobei nicht sicher ist, ob es sich um "unseren" Joseph handelt, da er als Ingenieur (Engineer) bezeichnet wird. Vom Alter her könnte er die folgende Person sein, die im Census von 1880, jetzt in Brooklyn, Kings County sein: Joseph Harth, 58 Jahre alt, Engineer. Er lebt mit seiner Schwester Eliza, 49 Jahre alt, die ihm den Haushalt führt, der Tochter Lena, 16 Jahre alt, sowie seinem Sohn William, 26 Jahre alt, Tischler, zusammen. Als Herkunft für ihn und seine Schwester ist Bayern angegeben. Sie leben in der Montrose Avenue 69. 

Jedenfalls heiratet Friederike am 28.12.1869 erneut. Der Ehemann ist Wilhelm (William) Gundlach aus Gadebusch in Mecklenburg. Er ist 29 Jahre alt, also 18 Jahre jünger als seine Frau, die bei der Hochzeit 47 Jahre alt ist. Er ist von Beruf Möbeltischler. Wann William in die USA kam ist unbekannt, doch am 18. Februar 1865 erhält er seine Einbürgerungsurkunde vom City Court, Kings County, New York.

Im Census von 1870 und 1880 werden beide aufgeführt, er als Möbeltischler, sie als Hebamme, er mit einem Vermögen von $ 1.000.

Verschiedene Einwohnerverzeichnisse zwischen 1878 und 1890 führen seinen Namen. Ihre letzte Erwähnung ist 1878 als Krankenschwester (Nurse), danach wird nur noch William aufgeführt, bis 1883 in der Clinton St. 21, dann 1886 am 33 Cheever Place 3, und 1888 - 1890 in 350 East, 89th Street. Es ist nicht ganz klar, ob mit diesen Straßen Manhattan oder Brooklyn gemeint ist, die Namen tauchen in beiden Regionen auf. Wahrscheinlich hat er zum 2. Mal geheiratet, denn im Census von 1900 wird er unter der letzten Adresse aufgeführt mit Ehefrau Margreta, die 64 Jahre alt ist und im Juni 1835 geboren wurde. Sie ist 1863 in die USA eingewandert und sie sind seit 19 Jahren verheiratet. Das Haus in dem sie wohnen gehört ihm, doch ist es noch durch eine Hypothek belastet. Vermutlich starb Friederike 1881 im Alter von 58 Jahren, zumindest fand sich eine Sterbeintrag für den 12. Mai 1881. Dieser lautete jedoch nicht auf den Namen Gundlach, sondern ist für eine Friedericha Glattner in Manhattan ausgestellt, und nicht wie erwartet in Brooklyn. Es bedarf der Überprüfung, ob es wirklich "unsere" Friederike war. Auch muß noch genauer geklärt werden, ob sie nun in Manhattan oder Brooklyn lebte. Ein Mysterium ist, warum sie immer wieder unter dem Namen Glattner erscheint, obwohl sie zweifelsfrei mit Harth und Gundlach verheiratet war.

Als Hebamme wird Friederike keine Reichtümer gesammelt haben. Viele Frauen, die ihre Hilfe und Dienste in Anspruch nahmen haben wahrscheinlich auch nicht genügend Geld gehabt haben, um sie angemessen zu bezahlen. So ist es erklärlich, daß sie sich erst mit Joesph Harth und dann mit Willhelm Gundlach verband. Es wird zumindest teilweise ein Überlebensgrund gewesen sein, der ihr ein ausreichendes, aber nicht überschwengliches Leben ermöglichte. Ob dadurch ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen ist, wie immer er ausgesehen haben mag, darf bezweifelt werden. Betrachtet man die sozialen und politischen Verhältnisse zur gleichen Zeit in Hessen, so wird das Leben in Amerika wohl doch etwas besser gewesen sein, als die Aussichten in der Heimat. Durch ihre Heirat mit William Gundlach wird sie einige Jahre zumindest eine gewisse finanzielle Sicherheit gehabt haben, betrachtet man sein im 1870 angeführtes Vermögen von $ 1.ooo. Einfach wird ihr Leben auf keinen Fall gewesen sein. 10 Jahre später sieht alles wieder anders aus, denn im Census von 1880 ist vermerkt, daß William in dem Jahr 3 Monate unbeschäftigt war. Der Grund hierfür ist aus dem Census nicht ersichtlich, es mag sein, daß eine Krankheit ihn arbeitslos gemacht hat, oder es Probleme mit dem Arbeitgeber (Möbelfabrik?) gegeben hat. Die Volkszählung von 1900 besagt jedenfalls, daß er im Jahr dieser Zählung beschäftigt war.


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Letzte Änderung: 31.10.2011 (©Hans Ihmsen)