Die Familie Wiegand auf der Glashütte Emde (1)


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• Die feine Glashütte Emde bei Brakel im Bistum Paderborn wurde mit der Unterzeichnung des Vertrages vom 21. Oktober 1727 offiziell gegründet. Der Contrakt lief auf 10 Jahre und benennt Johann Henrich Gundlach und Abraham Wiegand als Pächter. Beide kamen von der hessischen Glashütte Altmünden bei Hannoversch Münden, wo sie zuvor schon etliche Jahre gearbeitet hatten, Wiegand als Glasmeister und Gundlach als Glasschneider und Mitbeständer. Die Altmünder Hütte wurde im Juni 1680 (neu) gegründet, ist somit die wesentlich ältere Hütte.

Johann Abraham Wiegand wurde ca. 1690 in Henneberg-Stützerbach, Thüringen geboren. Nach dem Buch Gerhard Greiners: „Glas War Ihr Leben - Glas War Ihr Schicksal“ war sein Vater Hieronymus Wiegand, geb. 05.03.1666 in Altenfeld, Thüringen, die Mutter Dorothea Wenzel. Am 30. 01.1718 heiratete er in Wilhelmshausen Anna Judith Greiner, geb. 06.12.1700 auf der Glashütte Altmünden, Tochter von Georg Greiner, ebenfalls aus Stützerbach, und Dorothea Gundelach. Sie hatten folgende 6 Kinder:

         1. Johann Henrich, geb. 04.01.1720, Altmünden (Pate war Johann Henrich Gundelach, „Glaßmeister“ in Altmünden), gest.

             22.03.1749 Emde.

          2. Johann Christoph Abraham, geb. 27.02.1722, Altmünden (Pate war Meister Christoph Ebert (Eberhardt), „erster und

             oberster Glaßmacher“ in Altmünden).

          3. Anna Christina, geb. 09.01.1724, Altmünden (Patin war Frau Gundelach [wahrscheinlich Anna Christina, die Frau des

             Mitpächters Gundlach]).

          4. Anna Amelia, geb. 28.03.1726, Emde.

          5. Anna Elysabeth, geb. 07.07.1728, Emde.

          6. Johann Christian (Becker), geb. 24.03.1730, Emde.

Johann Abraham stirbt am 02.04.1736 im Alter von ca. 46 Jahren und wird in Istrup beerdigt, seine Frau Judith Greiner stirbt am 03.01.1776 im Alter von 75 Jahren und 1 Monat auf der Glashütte Altmünden.

Alle Kinder heiraten, wie zu der Zeit üblich, Nachkommen anderer Glasmacherfamilien und es zeigt sich, daß dadurch bei eingen eine enge Verbindung zwischen der Glashütte Emde und der Glashütte Altmünde zustande kam.

Johann Christoph Abraham Wiegand heiratete am 08.03.1757 im Alter von 35 Jahren in Wilhelmshausen Anna Elisabeth Iselhorst, geb. 15.07.1740, Altmünden, Tochter von Johann Henrich Iselhorst und Sofia Aschemann. Der Eintrag im Kirchenbuch bei der Heirat weist ihn aus als Mitbeständer, sowie als Glas- und Hüttenmeister auf der Hütte Altmünden. In dieser Ehe konnten keine Kinder nachgewiesen werden. Johann Christoph starb am 19.02.1777 im Alter von 55 Jahren auf der Glashütte Altmünden.

Anna Christina Wiegand heiratete am 27.10.1739 im Alter von 15 Jahren in Istrup Johann Samuel Triebek / Triebell. Er war Glasmacher auf der Glashütte Emde. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:

          1. Anna Judith, geb. 24.06.1740, Emde, gest. 29.06.1740, Emde.

          2. Johann Henrich, geb. 27.11.1741, Emde. Im Alter von 28 Jahren heiratete er am 26.10.1770 in Wilhelmshausen

             Anna Elisabeth Rund. Der Heiratseintrag bezeichnet ihn als Glasmacher und –meister auf der Hütte Altmünden. Bei

             der Hochzeit seiner ersten Tochter 1802 wird er im Kirchenbuch als Glasmeister bezeichnet, bei der Hochzeit der

             2. Tochter 1809 als „vormaliger dasiger Hüttenbeständer“. Folgende Kinder sind verzeichnet:

                         1. Margaretha Luise, geb. 19.12.1774, Altmünden, heiratete am 21.08.1803 in Wilhelmshausen den Schumacher

                             Justus Henrich Volckwein. 1 Kind in dieser Ehe:

                                        1. Anna Elisabeth, geb. 20.06.1807, Wilhelmshausen, gest. 01.051808

                         2. Maria Elisabeth heiratete am 20.06.1802 in Wilhelmshausen den Gardisten Henrich Klipp.

                         3. Christian, Glasmacher auf der Altmünder Hütte heiratete am 28.06.1809 in Wilhelmshausen Charlotte Beckmann.

          3. Amalia, geb. 02.01.1744, Emde. Sie hatte ein uneheliches Kind – Johann Friedrich, geb. 1775, das nach „1 Jahr,

             5 Monaten und etlichen Wochen“ starb.

          4. Johann Christian, geb. 23.11.1746, gest. 28.06.1749, Emde.

•  Anna Christina starb am 16.12.1749 im Alter von 25 Jahren auf der Glashütte Emde, Johann Samuel starb am 06.12.1753

Anna Amalia Wiegand heiratete im Alter von 18 Jahren am 19.04.1744 in Schlangen Bonifacius Fleckenstein, geb. ca. 1716, Sohn des Matthias Fleckenstein und der Anna Elisabeth Noll. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:

          1. Anna Liesebeth, geb. 21.03.1745, Schlangen.

          2. Anna (Dorothea) Mar. Liesebeth, geb. 20.02.1748, Schlangen. Mit 17 Jahren heiratete sie am 08.02.1766 in Schlangen

             Johann Christian Ihmsen, den Mitbegründer und Mitbeständer der Glashütte im Bodental bei Schwaney. Dieser nahm

             1769 seine Schwiegermutter aus „Collstädt“ (Kohlstädt) bei sich auf, nachdem ihr Mann verstorben war und sie in finanzielle

             Schwierigkeiten geriet. Sie hatten zusammen 9 Kinder - siehe hier.

          3. Florentina Wilhelmina, geb. 20.03.1753, Schlangen.

          4. Anna Maria, geb. 07.10.1757, Schlangen.

          5. Johann Christoph, geb. 21.11.1758, Schlangen. Am 20.09.1795 heiratete er Sophie Elisabeth Lahmen in Schlangen. sie

             hatten 3 Kinder.

Anna Amalia starb am 27.02.1795 im Alter von 69 Jahren und Bonifacius am 30.01.1769 in Schlangen.

Anna Elysabeth Wiegand heiratete im Alter von 24 Jahren am 24.12.1752 in Wilhelmshausen Henrich Wilhelm Iselhorst, geb. 14.10.1726, Altmünden, Sohn von Henrich Iselhorst und Eleonora Wenzel. Es konnte nicht festgestellt werden, ob dieser Henrich Iselhorst der gleiche ist, der, evtl. in 2. Ehe mit Sofia Aschemann, die Anna Elisabeth gezeugt hat. Henrich Wilhelm war Glasschneide- und Vergoldergeselle unter Carl Ihmsen auf der Emde, den er unter Streit verließ und statt dessen für die Witwe Judith Wiegand-Greiner auf der Emder Hütte arbeitete. Neben des Arbeitsstreits kam es zu Vorwürfen des katholischen Klerus des Bistums Paderborn, daß beide wegen eines zu engen Verwandschaftsverhältnisses gar nicht heiraten dürften. Diesen Vorwurf konnte ich in den Kirchenbüchern leider nicht klären. Jedenfalls fand die Hochzeit dann doch statt und zwar durch den Pfarrer der evangelischen Kirche von Wilhelmshausen auf der Glashütte Altmünden. Für diese kirchliche Leistung außerhalb der Kirche mußte 1 Rthlr. bezahlt werden. Auf der Altmünder Glashütte arbeite er als Glasschneider und Vergolder. Die Kinder der beiden waren:

          1. Anna Elysabeth, geb. 08.05.1757, get. Istrup.

          2. Johann Christian, geb. 22.11.1759, get. Istrup.

          3. Maria Luisa Christina, geb. 17.08.1763, get. Istrup.

          4. Henrich Bernhard, geb. 05.02.1766, Altmünden.

          5. August, Geburtsdaten konnten nicht gefunden werden. Glaszierratschneider und Vergolder auf der Glashütte Altmünden, heiratete am 06.10.1797 in Wilhelmshausen Anna Justina Kunkel. Sie hatten 1 Kind:

                      1. Catharina Elisabeth, geb. 11.03.1801, Altmünden.

Anna Elysabeth starb am 28.04.1785 im Alter von 57 Jahren auf der Glashütte Altmünden, das Sterbedatum für Iselhorst konnte nicht gefunden werden, vielleicht ging er auf eine andere Glashütte nach dem Tod seiner Frau.

Johann Christian (Becker) Wiegand heiratete Scharlotta Friderica Becker. Ihre Kinder waren:

          1. Friderica Aloysia, geb. 23.07.1761, Emde, gest. 11.07.1763.

          2. Joannes Ludovicus, geb. 27.12.1762, Emde, gest. 05.02.1763.

          3. Joannes Augustus, geb. 24.02.1764, Emde, gest. 07.08.1807, Fürstenberg. Faktor auf der Glashütte Brakel. Bei seinem

             Tod hinterläßt er eine Gattin und 4 minderjährige Kinder.

          4. Henricus Carolus, geb. 29.12.1765, Emde. Im Alter von 31 Jahren heiratete er am 24.12.1797 Florentina Noll. Sie hatten

             2 Kinder - Zwillinge. Henricus Carolus starb am 26.07.1799 auf der Glashütte Emde. Florentina Noll heiratete in 2. Ehe

             Wilhelm König, den späteren Beständer der Emder Hütte.

          5. Joannes Christianus Fridericus, geb. 31.10.1767, Emde. Er war 1801 Mitbegründer, zusammen mit Wilhelm A. Kapmeyer,

             der Glashütte Fürstenberg bei Bad Wünnenberg. Er war dreimal verheiratet:

             1. Ehe – ungewiß, ob geheiratet – Anna Maria Schryck, 1 uneheliches Kind:

                      1. Joannes Franciscus Josephus Schryck, geb. 18.12.1790, Emde, gest. 27.12.1790.

             2. Ehe - 05.02.1807 – Amalia Grönen aus Heiden im Lippischen (* 1779, + 25.01.1815, Fürstenberg. Folgende Kinder

                 aus dieser Ehe:

                      1. Henrich Wilhelm, geb. 02.03.1808, Fürstenberg.

                      2. Wilhelmina.

                      3. Georg.

                      4. Charlotte Friderica Augusta, geb. 29.06.1813, Fürstenberg.

                      Kinder 2 – 3 sterben kurz nach der Geburt.

             3. Ehe - 14.05.1815, Lemgo – Luise Amalie Drüner aus Lüderdissen im Lippischen (+ 25.03.1825). Drei Kinder aus

                 dieser Ehe:

                      1. Carl Georg, geb. 22.03.1816, Fürstenberg.

                      2. Rudolph, geb. 05.07.1817, Fürstenberg.

                      3. Simon Ludwig.

          6. Fridericus Ludovicus, geb. 03.10.1771, Emde, gest. 1771.

          7. Anna Friderica Wilhelma, geb. 27.09.1773, Emde.

          8. Georg Wilhelm, geb. 09.07.1776, Emde.

Johann Christian starb am 27.09.1796 im Alter von 66 Jahren auf der Emde.

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Herr Werner Schwarz konnte durch intensive Glashüttenforschungen in Südthüringen die Ahnenreihe des Johann Abraham Wiegand vor seiner Zeit im paderborner Land erhellen und gestattete mir seine Ergebnisse auszugsweise hier einzustellen. (2)

Die Großfamilie und Glassippe Wiegand, der auch unser Joh. Abraham entstammt, ist auf den eng-benachbarten Südthüringer Hütten ab 1568 sicher nachweisbar.

Die beiden Begründer der großen und jüngeren Teilsippen Wiegand in der Region Südthüringen, mit jeweils Hunderten von Nachkommen, nämlich Caspar Wiegand (1632-1699) aus Fehrenbach und Georg (III) Wiegand (um 1626-1694) aus Lauscha gebürtig (beide hatten natürlich gemeinsame Vorfahren auf älteren Hütten) mußten ihre Stände in Altenfeld und anderswo ganz einfach selbst kaufen und das war nicht billig. Sie hatten zuvor auf vielen Hütten im "Ausland" gearbeitet und die Kaufsumme mit Anstrengung selbst verdient. Ihnen ist nichts geschenkt worden!

Die Georg (III) Wiegand-Familie, die sich um ca. 1700 von Altenfeld nach Stützerbach wandte und zu der auch der Vater des Joh. Abraham W., also Hieronimus W. gehörte, wurde aber durch eine andere Tatsache schwer im Personendatenbestand getroffen.

Bei einem Brand im Pfarrhaus zu Frauenwald, wo ein Teil des zweigeteilten Ortes Stützerbach bis 1845 eingepfarrt war, wurden alle KB vor 1770 vernichtet. Das betraf auch weitere eingepfarrte Orte - genannt seien Vesser (u.a. Familie Triebel) und die Hütte Allzunah (u.a. die nichtthür.Familien Wenzel und Gundlach).

Dieser Verlust der KB kann kaum ausgeglichen werden und so kennen wir bis heute nicht die genauen Familiendaten der betroffenen Familien damaliger Zeit, noch ist eine richtige Zuordnung immer möglich. Am meisten betroffen sind die Zweige der Familie Wiegand, die sich auf die besagten Glasmacher - Hieronimus Wiegand (1666-nach 1733) und dessen Bruder Johann Caspar Wiegand (1674- nach 1733) - zurüchführen lassen.


Die Familienverhältnisse des Joh. Abraham W. stellen sich nun im Zusammenhang wie folgt dar:

Sein Vater Hieronimus W. wird am 05.03.1666 (KB Breitenbach) auf der Hütte Altenfeld als Sohn des Glasmeisters Georg (III) W. und der Tochter des Glashüttenmeisters Nicol Schmidt, Dorothea, geboren. Dessen Vater Georg (II) W. wiederum war Glasmachergeselle in Lauscha und mit einer Tochter des legendären Gründers Hans Greiner-Schwab erbberechtigt verheiratet.

Da auch die Quellen für Lauscha relativ schmal sind, ältere KB fehlen völlig, läßt sich die Rolle des Urgroßvaters von Joh. Abraham W. nicht näher bestimmen. Pate des Hieronimus W. ist 1666 der Aschenbrenner (Pottasche !) Hieronimus Eichhorn zu Gießübel, was den "Einzugsradius" damaliger Hütten ahnen läßt.

Vater Hieronimus verläßt vor 1690 Altenfeld als ausgebildeter Glasmacher und geht nach dem seit 1660 geteilten Ort Stützerbach, Schleusinger Seite. Er heiratet am 18.11.1690 in Frauenwald, der zuständigen Kirche, eine Dorothea Wenzel aus Ilmenau, die nicht mit der hessischen Glassippe Wenzel verwandt gewesen zu sein scheint, denn ihr Vater war Schlossermeister. Andererseits lernte und arbeitete Sohn Joh. Abraham später auf derWenzel-Hütte Allzunah. Ein Zufall?

Der Heiratseintrag von 1690 im KB Frauenwald wurde ein Opfer des oben erwähnten Brandes. Einer gewissen "Pedanterie" verdanken wir aber, daß es 2 weitere Heirats-Einträge gibt, nämlich im KB Breitenbach und im KB Ilmenau. Rätselhaft bleibt die Heirat in Frauenwald, da doch Ilmenau als Heimat der Braut eher in Frage gekommen wäre. Spätere Tatsachen lassen den Schluß zu, daß die Braut bereits sichtbar schwanger gewesen sein könnte, was beileibe in Glasmacher-Kreisen damals keine Seltenheit war.

Die einsame Nachbar-Hütte Gehlberg wurde z.B. mindestens zweimal "Austragungsort" und plötzliche Zuflucht in solchen Fällen. (FamilienWiegand-Braunschweig und Schmirler-Vogtland)

Ohne Zweifel ist unser Joh. Abraham W. das erste Kind des Paares Hieronimus W. und der Dorothea Wenzel, 1690 geboren worden! Der Geburtseintrag fehlt aus bekannten Gründen, aber wir können fest davon ausgehen, daß der Joh. Abraham W. als er sich nach 1712 auf den Weg in die Paderborner Region machte, einen üblichen Geburtsschein mitnahm, ja mitnehmen mußte. Die KB Frauenwald existierten ja noch und der Pfarrer war zur Ausstellung des Scheins verpflichtet. Mithin war bei seinem Tode 1736 sein Alter (46 J.) resp. sein Geburtsjahr 1690 genau bekannt.

Im Jahre 1704 (17.05.) kommt Joh. Abraham W. das erste Mal in einem externen KB (Ilmenau) bei einer Patenübernahme vor. Er hätte dazu in aller Regel mindestens 14 Jahre sein müssen und wäre demnach vor dem 17.05.1690 geboren worden, während die Eltern erst im November d. J. geheiratet haben. Sein Vater Hieronimus wird beim Eintrag 1704 als Schultheiß von Stützerbach bezeichnet, was den bisher einzigsten erhaltenen Nachweis über diese Funktion in bezug auf seine Person darstellt.

Der 2. und sehr viel wichtigere Eintrag über Joh. Abraham W. erfolgt 1712 im KB von Goldlauter. Er wird damals bezichtigt in Allzunah eine junge Frau geschwängert zu haben, die dort als Tagelöhnerin arbeitete und streitet auf Vorhalt alles ab. Es spricht vieles dafür, daß er die Wahrheit sagte.

Man muß sich nur einmal die damaligen "hochnotpeinlichen" Verhöre vorstellen: Pfarrer, Schultheiß, der eigene Vater und ggf. die geschwängerte Frau sind anwesend, Gott und das jüngste Gericht werden beschworen. Es gibt nicht viele Beschuldigte, die da widerstanden, es sei denn sie waren unschuldig.

Weitere Ermittlungen ergaben, daß die Frau 14 Jahre älter als Joh. Abraham W. war, 1733 unverheiratet starb und auch das Kind das Jahr 1712 nicht überlebte. Zur Taufe war ein Glasmacher aus Allzunah geladen, ein Schwager der Kindesmutter, dessen Nachname im KB Eintrag aber freigelassen wurde, was äußerst selten vorkam. Dieser Pate kam aber nicht zur Taufe. Seinen Namen konnte ich nicht ermitteln, wo es doch sehr interessiert hätte, wer alles auf dieser relativ kleinen und jungen Hütte Allzunah in dieser Zeit gearbeitet hat. Damals war die Hütte in Hand der außerthür.Wenzel-Gundlach-Familie.

Diese Begebenheit 1712 könnte die Ursache für den Weggang des Joh. Abraham W. aus seiner Heimat gewesen sein. Möglicherweise war ihm dabei dieWenzel-Gundlach-Familie behilflich.

Joh. Abraham W. wird 1712 als Lehrling (mit 22 J.!) bezeichnet, was ebenfalls Wunder nimmt. Vielleicht ist "junger Geselle" gemeint, der er damals schon hätte sein müssen. Eine Lehrzeit von 8 Jahren wäre dann doch etwas außergewöhnlich.

Im Nachlaß von U. Eichhorn taucht ein weiterer Sohn des Hieronimus W. auf, nämlich Johann Georg Wiegand (um 1695-1735), der in SüdThür. aber keine Spuren hinterließ und mit seinem Bruder Joh. Abraham W. nach Altmünden auswanderte, um dort als Glasmacher und später als Gastwirt seßhaft zu werden. Pate bei dessen 1. Kind Joh. Georg W. wurde 1724 der Schwiegervater seines Bruders Joh. Abraham W., Joh. Georg Greiner, Vater der Schwägerin Judith Greiner. J.G.Greiner wurde 1670 in der Region geboren und erst sein Vater Martin kam aus Thüringen, was oft falsch dargestellt ist.

Ein 3. Sohn und Bruder der beiden ist Joh. Michael Franz Wiegand (1698 err -1774), welcher als Glasmacher im Lande blieb und 1722 nach Weimarisch Stützerbach heiratete. Im Heiratseintrag von 1722 (KB Weim.Stützerbach, eigene KB ab 1716, vorher KB Ilmenau) wird der Vater Hieronimus W. als Glasmacher und Schürer auf Schleus. Seite bezeichnet.

Hieronimus W. scheint nie einen eigenen Hüttenstand besessen zu haben. Aus der gelegentlichen und an sich seltenen Betitelung als "Herr" geht aber hervor, daß er ein angesehener Mann gewesen sein muß. Nachfolger im Amt als Schultheiß in Schleus. Stützerbach wurde sein jüngster Bruder Johann Caspar W. (1674-nach 1733). Dieser hatte als solcher die Huldigung von 1718 im Ort zu organisieren und zu gewährleisten. (Persönliche Handschrift im Aktenteil!) Die nächste Huldigung von 1733 führt beide Brüder noch als "einfache" Bewohner auf. Schultheiß waren sie indessen nicht mehr. Sie müssen bald danach verstorben sein. Frühere Angaben in der Literatur sind damit gegenstandslos.

Ohne die "Fremdeinträge" in den KB von 1690, 1704, 1712 und 1722 und ohne die Huldigungen von 1718 und 1733 (StA Dresden) wüßten wir also herzlich wenig über die Familie des Hieronimus Wiegand und ihn selbst!

Da aber alle Paare damals und noch lange danach ca. 6-9 und mehr Kinder hatten, muß davon ausgegangen werden, daß wir von ca. 5-6 Kindern des Hieronimus Wiegand überhaupt keine Kenntnis haben, noch kaum je haben werden. Damit sind die Folgen des Brandes im Pfarrhaus von Frauenwald drastisch umrissen!

Die Heirat des Paares Abraham Wiegand und Judith Greiner mit den auch damals sehr seltenen alttestamentarischen Namen fand 1718 in der Fremde statt. Es ist nicht überliefert, ob die zahlreiche Verwandtschaft aus Stützerbach dabei zugegen war.

Auch über die Beziehungen der Brüder Joh. Abraham und Joh. Georg Wiegand zur alten Heimat ist wenig bekannt. Judith Wiegand, geb. Greiner, Frau des Abraham W. taucht einmal (?) als Patin in Weim. Stützerbach auf, nämlich 1728 bei der Taufe eines Kindes ihres Schwagers Michael Franz, das nach ihr Juditha benannt wird.

Der spätere Ortschronist von Stützerbach E. Löber kann diesen Eintrag 1901 weder richtig lesen noch deuten und spricht von einer Patenschaft aus der "Neuen Prachler Hütte" [wohl "neue paderborner Hütte", Anm. H. Ihmsen], die er in der Rhön wähnt.

Die Abwanderung der Landeskinder, die Brüder Wiegand waren nicht die einzigen, war also längst vergessen und von Legenden umwoben.






             1.  Die Informationen über die Familie Wiegand wurden von mir auch in "Der Glasfreund, Heft 34, 2010" veröffentlich. Nach oben

             2.   Der Auszug wurde von Herrn Werner Schwarz genehmigt. Der vollständige Artikel seiner Forschung über die Wiegand Familie kann hier nachgelesen werden:

               Artikel über die Glassippe Wiegand unter www.famfo-w-schwarz.de (pdf-Datei)  Nach oben


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Letzte Änderung: 27. 11.2011 (©Hans Ihmsen)